Opernhaus: Die Stadt muss investieren!

Düsseldorfs Opernhaus steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Trotzdem glauben im Moment zahlreiche Akteure, den Abriss des Gebäudes diskutieren zu müssen. Weshalb? Es müsste doch tatsächlich Geld ins historische Haus gesteckt werden!

So kann Denkmalschutz bzw. Denkmalpflege aber nicht funktionieren: Einem für die Stadt wichtigen Denkmal werden über Jahre notwendige Investitionen vorenthalten, und plötzlich kann das Gebäude angeblich gleich ganz weg. Wir als denkmal düsseldorf e. V. sagen: Düsseldorf muss jetzt seiner Verantwortung für das Kulturdenkmal Opernhaus gerecht werden und in eine gründliche Sanierung investieren.

Zu Fuß durch die D-Zug-Siedlung

Ein voller Erfolg war die Führung von denkmal düsseldorf durch die Rather D-Zug-Siedlung. Nicht nur haben zahlreiche denkmalinteressierte Gäste am Tag des offenen Denkmals den Weg in die Arbeitersiedlung aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise gefunden, auch Bewohner und Drehorgelspieler Wolfgang sind gekommen. Unter der Führung von Ingo Schiweck ging es durch die lange Aplerbecker Straße, an den Gärten vorbei zum ehemaligen Fußballplatz. Von dort ist die Gruppe über den Spielplatz mit dem Tiefbunker zurück zum Startpunkt in der Hasper Straße gewandert, wo Susanne Enechukwu die Interssierten zur Besichtigung in ihr Siedlungshaus gelassen hat. Auf dem Bürgersteig hatten nette Nachbarn in der Zwischenzeit Kaffee und Kuchen aufgebaut und betagte Zeitzeugen Platz nehmen lassen. Ein Dank an alle, die zum gelungen Tag des offenen Denkmals in der D-Zug-Siedlung beigetragen haben!

denkmal düsseldorf beim Denkmal-Tag

Am 9. September ist denkmal düsseldorf erstmals beim Tag des offenen Denkmals vertreten. Wir haben das Glück, daß unser Mitglied Susanne Enechukwu ein Haus in der 1929/3o gebauten D-Zug-Siedlung besitzt, und nutzen die Gelegenheit, ab 14 Uhr eine Führung durch die Rather Siedlung und durch Frau Enechukwus Haus anzubieten. Start ist am 9. September 2018 um 14 Uhr an der Hasper Str. 23. Alle teilnehmenden Düsseldorfer Denkmäler hier: https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt63/denkmalschutz/pdf/Br_Denkmaltag2018_105x210_32s_4c_screen_bf.pdf.

Historische Bausubstanz im Fokus

Wir möchten auf zwei Veranstaltungen rund ums Thema Denkmalschutz hinweisen:

  • Am 8. Mai 2018 findet ab 18 Uhr in Sitzungssaal des Rathauses (1. OG) ein öffentliches Fachgespräch der Grünen zur „Baukultur“ statt.  Dabei soll es um Fragen gehen wie: Was ist erhaltenswert? Welche Strukturen müssen erhalten bleiben? Was verlieren wir und was gewinnen wir beim (Neu-)Bauen? Was passiert am Rande des Denkmalschutzes, wenn der Denkmalschutz nicht greift? Welche Instrumente gibt es überhaupt, um Strukturen und Gebäude zu schützen? Es diskutieren unter anderem Cornelia Zuschke, die Beigeordnete für Planen, Bauen, Mobilität und Grundstückswesen der Landeshauptstadt Düsseldorf, Georg Döring, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten Düsseldorf, und Andrea Pufke, Leiterin des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland. Auch denkmal düsseldorf ist vor Ort.
  • Schon am 7. Mai wird um 18 Uhr die Ausstellung „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ im Haus der Architekten (Zollhof 1) eröffnet. Zur Ergänzung des eigenen Denkmalprogramms hat die Wüstenrot Stiftung ihren Gestaltungspreis 2017 dem „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ gewidmet. Zu diesem Wettbewerb wurden Architekten und Bauherren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen, um aus dem grenzüberschreitenden Vergleich zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen. Die Ergebnisse des Verfahrens zeigt bis zum 1. Juni 2018 die Düsseldorfer Ausstellung.

2018: Svenja Schrickel wird Denkmalpflege-Chefin in Düsseldorf

Am 1. Februar 2018 ist es soweit: Das Düsseldorfer Denkmalamt bekommt endlich wieder eine Leitung. Circa ein Jahr (!) nach der Verabschiedung von Jörg Heimeshoff wird Svenja Schrickel Leiterin des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege. Die 1975 in Herne geborene Schrickel hat von 1995 bis 2003 in Dortmund Architektur studiert und von 2003 bis 2005 noch ein Denkmalpflege-Masterstudium an der Uni Bamberg drangehängt. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin beim baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege, bevor sie 2008 Leiterin der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Dortmund wurde.

denkmal düsseldorf heißt Svenja Schrickel herzlich in Düsseldorf willkommen und freut sich auf den Austausch mit der neuen Denkmalpflege-Chefin der NRW-Landeshauptstadt.

Haus mit dem Pferdekopf – alles vorbei!

Die Bezirksvertretung 3 hat soeben der Bauvoranfrage für das Grundstück Brunnenstraße 27/27a, auf dem noch das Haus mit dem Pferdekopf steht, zugestimmt. Nur Die Linke war dagegen, die Grünen haben sich enthalten. Damit ist prinzipiell der Weg frei für einen Abriss des historisch wertvollen Bilker Gebäudes und für die Errichtung einer Mietskaserne mit Kleinstwohnungen. Für den Denkmalschutz ist das eine Niederlage mit hohem Symbolwert. Willkommem im Düsseldorf des Jahres 2017!

Haus mit dem Pferdekopf – alles vorbei?

Am vergangenen Freitag hat vor dem vom Abbruch bedrohten Haus Brunnenstraße 27/27a („Haus mit dem Pferdekopf“) eine Demo stattgefunden. Einer der Organisatoren: unser zweiter Vorsitzender, Thorsten Graeßner. Ein Engagement, für das man den Veranstaltern nur danken kann. Die Stoßrichtung aber ist nicht unproblematisch:

  • Botschaft der Demo war: Erhaltet alte Fassaden. Es kann aber grundsätzlich nicht darum gehen, nur alte Fassaden zu erhalten und die übrige historische Substanz zu opfern. Das würde dem Denkmalwert eines Gebäudes nicht gerecht werden.
  • Klar, die Bilker Politik möchte Wohnraum schaffen. An der Brunnenstraße soll aber relativ teurer Wohnraum in sehr kleinen Einheiten entstehen. Wenn das hinter einer alten Fassade geschähe, würde es die Sache nicht honoriger machen.

Bemerkenswert ist, dass sich weder aus der Politik noch aus Kreisen der betroffenen Mieter viele Menschen bei der Demo haben blicken lassen. Die Mieter scheinen Angst zu haben – aber wovor? Wenn abgerissen wird, müssen sie sowieso raus. Und die Politiker überlassen der Verwaltung die Verantwortung fürs Architekturerbe. Doch gerade sie riskieren eigentlich am wenigsten.

Diese Bezirkspolitiker haben in der Sitzung der BV 3 am kommenden Dienstag noch einmal die Chance, gegenüber der Stadt Rückgrat zu zeigen und gegen die Bauvoranfrage zu stimmen, die dem Gebäude den Garaus machen würde. Wenn die Düsseldorfer Denkmalbehörde das Haus mit dem Pferdekopf für nicht denkmalwürdig hält, können die BV-Mitglieder dagegen argumentieren und die Behörde dazu auffordern, harte Fakten, die gegen einen Schutz des Gebäudes sprechen, auf den Tisch zu legen. Denn daran gebricht es im Düsseldorfer Denkmalschutz: an Fakten und an Öffentlichkeit.

Hier für die Politik noch mal die Argumente für den Erhalt:

Bei dem 1888/89 gebauten Haus mit dem Pferdekopf handelt es sich um ein außergewöhnliches architektonisches Zeugnis gerade der Bilker Geschichte. Schon vor über hundert Jahren war in dem Gebäude unter anderem der Fuhrunternehmer Anton Schmalscheidt ansässig. Eine prägnante Pferdekopfskulptur über der Durchfahrt zum Hof erinnert daran. An der Fassade sieht man außerdem noch eine Reminiszenz an die vormals sehr wichtige Rolle der Papierindustrie in Bilk: „Papierverarbeitung“ steht dort. Im Innern des Hinterhauses hat einer der Mieter einen Teil des Krans, der zum alten Papierlager gehört, freigelegt und konserviert. Und schließlich: Durch die Nähe zur letzten aktiven Bilker Papierfabrik sowie zum Bilker Bahnhof und zu den wenigen anderen um 1900 entstandenen Gebäuden der Brunnenstraße ist noch heute der historische städtebauliche Kontext erkennbar.

Und der Aufruf an alle Interessierten:

Kommt am Dienstag (5.12.2017) ab 17 Uhr in den Bürgersaal des Stadtteilzentrums Bilk über dem Schwimmbad, Bachstraße 145. Wichtig ist in diesem Fall Tagesordnungspunkt 6.

Skandalöse Abrissliste

Der Verein denkmal düsseldorf möchte auf eine Abrissliste aufmerksam machen, die vor Kurzem in einer Vorbesprechung des Düsseldorfer Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung (APS) behandelt worden ist. Für den Abriss sind danach unter anderem vorgesehen:

  • Eine frühe Tankstelle aus dem Jahr 1930. Das für Düsseldorf sehr seltene Zeugnis des Neuen Bauens steht in Lohausen an der Niederrheinstraße 138. Stahl und große Fensterflächen sind bei diesem Bau mit seinen flachen Dächern großartig kombiniert. [Update: Im Juli 2018 abgerissen.]
  • Seit teilweise über 100 Jahren hervorragend in ihr Umfeld integrierte Häuser in der Heggemannstraße 35 (Holthausen; 1910 erbaut), in der Straße Steinkaul 13 (Himmelgeist; 1932) und in der Niederkasseler Straße 7 (Niederkassel; 1925). Im Fall der Heggemannstraße würde durch den Abriss ein ganzer gut durch den Krieg gekommener Straßenzug mit unter anderem vielen Jugendstilelementen in Mitleidenschaft gezogen.
  • Ein Haus aus der frühen Nazi-Zeit auf der Tannhäuser Straße 9 in Oberkassel. Das 1935 errichtete Gebäude erinnert teils noch leicht an die Periode des Backsteinexpressionismus, zeigt aber zum Beispiel im Bereich des Erkers deutlich, dass es im „Dritten Reich“ angekommen ist. Auch dieses Haus würde aus einem gewachsenen Zusammenhang herausgerissen.

Die Abbruchpläne sind aus Sicht von denkmal düsseldorf skandalös. Der Verein hat die Denkmalbehörden jetzt auf die gefährdeten Gebäude hingewiesen. Skandalös ist auch, dass Listen wie die jetzt im APS besprochene nicht veröffentlicht werden. Die Bürger werden dadurch erst in einem späten Stadium auf gefährdete Bauten in ihrer Umgebung aufmerksam. Wir fordern: Die Stadt soll die Abbruchlisten vor den APS-Vorbesprechungen im Internet veröffentlichen.

Die Stadt denkt aber offenbar gar nicht daran: Nach kritischen, von denkmal düsseldorf angestoßenen Presseveröffentlichungen zu den geheimen Listen dürfen die Politiker diese Listen nun nicht mal mehr aus den Sitzungen mitnehmen. Baudezernentin Zuschke handelt in dieser Sache so ganz eindeutig gegen das öffentliche Interesse.

Pferdekopf und Alu-Haut: Zwei Gebäude in Not

Der Tag des offenen Denkmals ist vorbei – der Alltag hat uns wieder. Und der ist kein genußvoller Spaziergang durch geschütztes Architekturerbe, sondern ein harter Kampf um den Erhalt historischer Gebäude. Zwei Bauten sind in unseren Fokus gerückt, die sich in unterschiedlich großer Not befinden:

  • Für das circa 1890 erbaute Haus Brunnenstraße 27/27a in Bilk ist bei der zuständigen Bezirksvertretung eine Bauvoranfrage eingegangen. Der Eigentümer strebt einen Abriss an. Das gründerzeitliche Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, es handelt sich aber um ein außergewöhnliches architektonisches Zeugnis gerade der Bilker Geschichte. Schon vor über hundert Jahren war hier unter anderem der Fuhrunternehmer Anton Schmalscheidt ansässig. Eine prägnante Pferdekopfskulptur über der Durchfahrt zum Hof erinnert daran. An der Fassade sieht man außerdem noch eine Reminiszenz an die vormals sehr wichtige Rolle der Papierindustrie in Bilk: „Papierverarbeitung“ steht dort. Die BV 3 soll am 19. September über die Bauvoranfrage abstimmen. Wir sind entschieden für den Erhalt des Hauses mit dem Pferdekopf und haben bei der Stadt die Feststellung des Denkmalwerts beantragt.
  • Die frühere Commerzbank von Paul Schneider-Esleben mit ihrer schicken Alu-Haut in der Kasernenstraße 39 wird gerade im Erdgeschoss verschandelt. Der Investor Hines lässt dieses Geschoss an dem eigentlich denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude aus den Jahren 1963–66 zu einer Art „Aquarium“ ausbauen: Vor den verglasten Drive-in-Bankschalter mit Pförtnerloge, an den man früher mit dem Auto heranfahren konnte, wird noch mal Glas gesetzt – offenbar um das Erdgeschoss visuell an den geplanten Neubau neben der ehemaligen Commerzbank anzupassen. Damit ändert sich die Gestalt des Gebäudes in diesem Bereich aus unserer Sicht entscheidend. Unsere Anfrage an die Düsseldorfer Denkmalbehörde zu Schneider-Eslebens Architekturikone ist leider unbeantwortet geblieben. Wir meinen: Das Aquarium geht gar nicht.

Tag des offenen Denkmals: Unbedingt hingehen!

Am kommenden Sonntag (10. September) findet zum 25. Mal der bundesweite Tag des offenen Denkmals statt. Motto in diesem Jahr: „Macht und Pracht“. Das Motto soll sich auf Denkmäler beziehen, die weltliche und religiöse Machtverhältnisse abbilden. Es öffnen auch Denkmäler ihre Türen, an denen sich Machtmissbrauch erklären lässt, und solche, die heute noch an die Armut und Ohnmacht ihrer Zeit und ihrer früheren Bewohner erinnern.

In Düsseldorf kann man zum Tag des offenen Denkmals so unterschiedliche Denkmäler wie den Ringofen Sassen in Ludenberg, das Justizministerium am Martin-Luther-Platz oder die Künstlersiedlung Golzheim besuchen. Das komplette Düsseldorfer Programm ist hier abrufbar. Alle Interessierten sollten die Gelegenheit unbedingt nutzen und durch ihre Teilnahme auch ein Zeichen für die Relevanz historischer Gebäude setzen.