Bilk: Seltene NS-Architektur in Gefahr

In Düsseldorf-Bilk drohen höchst seltene Wohnbauten aus der Zeit des Nationalsozialismus unter die Räder zu geraten. Die Verwaltung hat der zuständigen Bezirksvertretung zur Genehmigung radikale Aufstockungs- und Umbaupläne für einen Wohnkomplex der Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft an der Merkurstraße (Nr. 43–61) zukommen lassen (Beschlussvorlage 173/ 3/2017). Gegenüber den Bezirkspolitikern werden darin aber völlig falsche Angaben gemacht, heißt es im Antrag doch, es sollten Gebäude aus den 1950er Jahren mit Satteldach verändert werden. Tatsächlich handelt es sich bei den zu verändernden Bauten um 1940/41 errichtete mehrgeschossige Wohnhäuser mit Natursteinsockel und heimatschutztypischem Walmdach. Die für jene Zeit, als auch der Bausektor schon nahezu vollständig auf die Kriegswirtschaft ausgerichtet war, seltenen Häuser weisen fast durchgängig für den Nationalsozialismus typisch gestalteten Wandschmuck im Außenputz auf. Der zeigt unter anderem eine „glückliche deutsche Familie“, die verschiedenen Tierkreiszeichen und Eichenlaub. Die Gebäude korrespondieren in gewisser Weise mit NS-Bauten in der direkten Nachbarschaft (Fleher Straße 102–108, Im Dachlacker 39–49) und verhalten sich relativ harmonisch zu den circa 1905–10 errichteten Häusern auf der gegenüberliegenden Seite der Merkurstraße. Bei der geplanten Veränderung würde vom Charakter der Häuser und der Straße so gut wie nichts erhalten bleiben: die Walmdächer würden mit der ziemlich starken Aufstockung verschwinden, die auflockernden Öffnungen, die jetzt noch durch die niedrigen Garagen gegeben sind, würden massiv zugebaut.

Wir haben unter anderem die Denkmalbehörden auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht. Daraufhin hat die Verwaltung den Antrag wegen der inhaltlichen Fehler zurückgezogen. Wir bleiben dran!

denkmal düsseldorf

Düsseldorf tritt sein architektonisches Erbe mit Füßen. Dass die Keimzelle der WestLB an der Friedrichstraße jetzt abgerissen wird, spricht Bände. Dass die Stadtspitze von der immerhin denkmalgeschützten Ikone Schauspielhaus aus (finanz-)politischen Gründen redet, als handelte es sich um bloße Verfügungsmasse, ebenso. Wir erinnern uns: Auch der Tausenfüßler stand einst unter Denkmalschutz – jetzt steht er gar nicht mehr. Und dass historische Kostbarkeiten wie die elegant designten grünen Geländer an der Düssel teils gegen gesichtslose graue ausgetauscht wurden, ist nur ein weiteres Kapitel im schändlichen Umgang der Stadt mit dem, was uns an Gebautem umgibt. Vom undurchsichtigen Vorgehen von Verwaltung und Politik in Sachen Gaslaternen ganz zu schweigen.

Wir wollen all dem etwas entgegensetzen. Mit einem Verein namens „denkmal düsseldorf“ wollen wir ein Zeichen setzen gegen den allzu oft unsensiblen Düsseldorfer Umgang mit Bauten, Straßenmobiliar und wesentlichen baulichen Elementen. Der Verein soll Material über unser architektonisches Erbe sammeln. Er soll Anlaufstation sein, wenn Bürgerinnen und Bürger merken, dass Wichtiges in ihrer Umgebung gefährdet ist. Und er soll seinerseits die Öffentlichkeit alarmieren, wenn Wertvolles unter die Räder der Abrissbagger zu geraten droht.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich an dem Verein in Gründung zu beteiligen. Kontakt: info[at]denkmal-duesseldorf.de