2018: Svenja Schrickel wird Denkmalpflege-Chefin in Düsseldorf

Am 1. Februar 2018 ist es soweit: Das Düsseldorfer Denkmalamt bekommt endlich wieder eine Leitung. Circa ein Jahr (!) nach der Verabschiedung von Jörg Heimeshoff wird Svenja Schrickel Leiterin des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege. Die 1975 in Herne geborene Schrickel hat von 1995 bis 2003 in Dortmund Architektur studiert und von 2003 bis 2005 noch ein Denkmalpflege-Masterstudium an der Uni Bamberg drangehängt. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin beim baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege, bevor sie 2008 Leiterin der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Dortmund wurde.

denkmal düsseldorf heißt Svenja Schrickel herzlich in Düsseldorf willkommen und freut sich auf den Austausch mit der neuen Denkmalpflege-Chefin der NRW-Landeshauptstadt.

Haus mit dem Pferdekopf – alles vorbei!

Die Bezirksvertretung 3 hat soeben der Bauvoranfrage für das Grundstück Brunnenstraße 27/27a, auf dem noch das Haus mit dem Pferdekopf steht, zugestimmt. Nur Die Linke war dagegen, die Grünen haben sich enthalten. Damit ist prinzipiell der Weg frei für einen Abriss des historisch wertvollen Bilker Gebäudes und für die Errichtung einer Mietskaserne mit Kleinstwohnungen. Für den Denkmalschutz ist das eine Niederlage mit hohem Symbolwert. Willkommem im Düsseldorf des Jahres 2017!

Haus mit dem Pferdekopf – alles vorbei?

Am vergangenen Freitag hat vor dem vom Abbruch bedrohten Haus Brunnenstraße 27/27a („Haus mit dem Pferdekopf“) eine Demo stattgefunden. Einer der Organisatoren: unser zweiter Vorsitzender, Thorsten Graeßner. Ein Engagement, für das man den Veranstaltern nur danken kann. Die Stoßrichtung aber ist nicht unproblematisch:

  • Botschaft der Demo war: Erhaltet alte Fassaden. Es kann aber grundsätzlich nicht darum gehen, nur alte Fassaden zu erhalten und die übrige historische Substanz zu opfern. Das würde dem Denkmalwert eines Gebäudes nicht gerecht werden.
  • Klar, die Bilker Politik möchte Wohnraum schaffen. An der Brunnenstraße soll aber relativ teurer Wohnraum in sehr kleinen Einheiten entstehen. Wenn das hinter einer alten Fassade geschähe, würde es die Sache nicht honoriger machen.

Bemerkenswert ist, dass sich weder aus der Politik noch aus Kreisen der betroffenen Mieter viele Menschen bei der Demo haben blicken lassen. Die Mieter scheinen Angst zu haben – aber wovor? Wenn abgerissen wird, müssen sie sowieso raus. Und die Politiker überlassen der Verwaltung die Verantwortung fürs Architekturerbe. Doch gerade sie riskieren eigentlich am wenigsten.

Diese Bezirkspolitiker haben in der Sitzung der BV 3 am kommenden Dienstag noch einmal die Chance, gegenüber der Stadt Rückgrat zu zeigen und gegen die Bauvoranfrage zu stimmen, die dem Gebäude den Garaus machen würde. Wenn die Düsseldorfer Denkmalbehörde das Haus mit dem Pferdekopf für nicht denkmalwürdig hält, können die BV-Mitglieder dagegen argumentieren und die Behörde dazu auffordern, harte Fakten, die gegen einen Schutz des Gebäudes sprechen, auf den Tisch zu legen. Denn daran gebricht es im Düsseldorfer Denkmalschutz: an Fakten und an Öffentlichkeit.

Hier für die Politik noch mal die Argumente für den Erhalt:

Bei dem 1888/89 gebauten Haus mit dem Pferdekopf handelt es sich um ein außergewöhnliches architektonisches Zeugnis gerade der Bilker Geschichte. Schon vor über hundert Jahren war in dem Gebäude unter anderem der Fuhrunternehmer Anton Schmalscheidt ansässig. Eine prägnante Pferdekopfskulptur über der Durchfahrt zum Hof erinnert daran. An der Fassade sieht man außerdem noch eine Reminiszenz an die vormals sehr wichtige Rolle der Papierindustrie in Bilk: „Papierverarbeitung“ steht dort. Im Innern des Hinterhauses hat einer der Mieter einen Teil des Krans, der zum alten Papierlager gehört, freigelegt und konserviert. Und schließlich: Durch die Nähe zur letzten aktiven Bilker Papierfabrik sowie zum Bilker Bahnhof und zu den wenigen anderen um 1900 entstandenen Gebäuden der Brunnenstraße ist noch heute der historische städtebauliche Kontext erkennbar.

Und der Aufruf an alle Interessierten:

Kommt am Dienstag (5.12.2017) ab 17 Uhr in den Bürgersaal des Stadtteilzentrums Bilk über dem Schwimmbad, Bachstraße 145. Wichtig ist in diesem Fall Tagesordnungspunkt 6.

Skandalöse Abrissliste

Der Verein denkmal düsseldorf möchte auf eine Abrissliste aufmerksam machen, die vor Kurzem in einer Vorbesprechung des Düsseldorfer Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung (APS) behandelt worden ist. Für den Abriss sind danach unter anderem vorgesehen:

  • Eine frühe Tankstelle aus dem Jahr 1930. Das für Düsseldorf sehr seltene Zeugnis des Neuen Bauens steht in Lohausen an der Niederrheinstraße 138. Stahl und große Fensterflächen sind bei diesem Bau mit seinen flachen Dächern großartig kombiniert.
  • Seit teilweise über 100 Jahren hervorragend in ihr Umfeld integrierte Häuser in der Heggemannstraße 35 (Holthausen; 1910 erbaut), in der Straße Steinkaul 13 (Himmelgeist; 1932) und in der Niederkasseler Straße 7 (Niederkassel; 1925). Im Fall der Heggemannstraße würde durch den Abriss ein ganzer gut durch den Krieg gekommener Straßenzug mit unter anderem vielen Jugendstilelementen in Mitleidenschaft gezogen.
  • Ein Haus aus der frühen Nazi-Zeit auf der Tannhäuser Straße 9 in Oberkassel. Das 1935 errichtete Gebäude erinnert teils noch leicht an die Periode des Backsteinexpressionismus, zeigt aber zum Beispiel im Bereich des Erkers deutlich, dass es im „Dritten Reich“ angekommen ist. Auch dieses Haus würde aus einem gewachsenen Zusammenhang herausgerissen.

Die Abbruchpläne sind aus Sicht von denkmal düsseldorf skandalös. Der Verein hat die Denkmalbehörden jetzt auf die gefährdeten Gebäude hingewiesen. Skandalös ist auch, dass Listen wie die jetzt im APS besprochene nicht veröffentlicht werden. Die Bürger werden dadurch erst in einem späten Stadium auf gefährdete Bauten in ihrer Umgebung aufmerksam. Wir fordern: Die Stadt soll die Abbruchlisten vor den APS-Vorbesprechungen im Internet veröffentlichen.

Die Stadt denkt aber offenbar gar nicht daran: Nach kritischen, von denkmal düsseldorf angestoßenen Presseveröffentlichungen zu den geheimen Listen dürfen die Politiker diese Listen nun nicht mal mehr aus den Sitzungen mitnehmen. Baudezernentin Zuschke handelt in dieser Sache so ganz eindeutig gegen das öffentliche Interesse.

Pferdekopf und Alu-Haut: Zwei Gebäude in Not

Der Tag des offenen Denkmals ist vorbei – der Alltag hat uns wieder. Und der ist kein genußvoller Spaziergang durch geschütztes Architekturerbe, sondern ein harter Kampf um den Erhalt historischer Gebäude. Zwei Bauten sind in unseren Fokus gerückt, die sich in unterschiedlich großer Not befinden:

  • Für das circa 1890 erbaute Haus Brunnenstraße 27/27a in Bilk ist bei der zuständigen Bezirksvertretung eine Bauvoranfrage eingegangen. Der Eigentümer strebt einen Abriss an. Das gründerzeitliche Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, es handelt sich aber um ein außergewöhnliches architektonisches Zeugnis gerade der Bilker Geschichte. Schon vor über hundert Jahren war hier unter anderem der Fuhrunternehmer Anton Schmalscheidt ansässig. Eine prägnante Pferdekopfskulptur über der Durchfahrt zum Hof erinnert daran. An der Fassade sieht man außerdem noch eine Reminiszenz an die vormals sehr wichtige Rolle der Papierindustrie in Bilk: „Papierverarbeitung“ steht dort. Die BV 3 soll am 19. September über die Bauvoranfrage abstimmen. Wir sind entschieden für den Erhalt des Hauses mit dem Pferdekopf und haben bei der Stadt die Feststellung des Denkmalwerts beantragt.
  • Die frühere Commerzbank von Paul Schneider-Esleben mit ihrer schicken Alu-Haut in der Kasernenstraße 39 wird gerade im Erdgeschoss verschandelt. Der Investor Hines lässt dieses Geschoss an dem eigentlich denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude aus den Jahren 1963–66 zu einer Art „Aquarium“ ausbauen: Vor den verglasten Drive-in-Bankschalter mit Pförtnerloge, an den man früher mit dem Auto heranfahren konnte, wird noch mal Glas gesetzt – offenbar um das Erdgeschoss visuell an den geplanten Neubau neben der ehemaligen Commerzbank anzupassen. Damit ändert sich die Gestalt des Gebäudes in diesem Bereich aus unserer Sicht entscheidend. Unsere Anfrage an die Düsseldorfer Denkmalbehörde zu Schneider-Eslebens Architekturikone ist leider unbeantwortet geblieben. Wir meinen: Das Aquarium geht gar nicht.

Tag des offenen Denkmals: Unbedingt hingehen!

Am kommenden Sonntag (10. September) findet zum 25. Mal der bundesweite Tag des offenen Denkmals statt. Motto in diesem Jahr: „Macht und Pracht“. Das Motto soll sich auf Denkmäler beziehen, die weltliche und religiöse Machtverhältnisse abbilden. Es öffnen auch Denkmäler ihre Türen, an denen sich Machtmissbrauch erklären lässt, und solche, die heute noch an die Armut und Ohnmacht ihrer Zeit und ihrer früheren Bewohner erinnern.

In Düsseldorf kann man zum Tag des offenen Denkmals so unterschiedliche Denkmäler wie den Ringofen Sassen in Ludenberg, das Justizministerium am Martin-Luther-Platz oder die Künstlersiedlung Golzheim besuchen. Das komplette Düsseldorfer Programm ist hier abrufbar. Alle Interessierten sollten die Gelegenheit unbedingt nutzen und durch ihre Teilnahme auch ein Zeichen für die Relevanz historischer Gebäude setzen.

Historische Düssel-Geländer verrotten

Derzeit verrotten die historischen grünen Geländer an der Düssel. An zahlreichen Stellen bedrohen Korrosion, Vandalismus (Durchtrennung) und unsachgemäße „Reparatur“ die grünen Geländer in ihrer Existenz. Im Norden der Stadt wurden die alten Geländer teilweise schon abgebaut und durch erschreckend häßliche graue ersetzt. Nach Informationen der Stadt sollen die abgebauten Elemente im Düsseldorfer Süden für Reparaturen verwendet werden, doch wurden hier weder solche Reparaturen gesichtet, noch scheint das etwas Besseres als Flickwerk zu versprechen. Wir von denkmal düsseldorf fordern die Stadt zu einer gründlichen und zugleich dem historisch wertvollen Material voll angemessenen Sanierung auf. Die Zeit drängt!

Update: Die Grünen haben das Thema per Anfrage vom 6. Juni 2017 in die Bezirksvertretung 3 getragen. Die konkreten Fragen daraus:

„• Wie stellt die Verwaltung sicher, dass die historische Substanz der Handläufe entlang der Düssel (Karolinger- und Feuerbachstr.) erhalten bleibt?
• Wann werden die Handläufe entlang der Düssel (Karolinger- und
Feuerbachstraße) instandgesetzt?
• Werden für die Instandsetzung der Handläufe entlang der Karolinger- und Feuerbachstraße die an der Prinz-Georg-Str. ausgebauten Querstangen und Pfosten der historischen Handläufe verwendet?“

Antworten stehen (Stand: Anfang Juli 2017) noch aus.

Bilk: Seltene NS-Architektur in Gefahr

In Düsseldorf-Bilk drohen höchst seltene Wohnbauten aus der Zeit des Nationalsozialismus unter die Räder zu geraten. Die Verwaltung hat der zuständigen Bezirksvertretung (BV) 3 zur Genehmigung radikale Aufstockungs- und Umbaupläne für einen Wohnkomplex der Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft an der Merkurstraße (Nr. 43–61) zukommen lassen (Beschlussvorlage 173/ 3/2017). Gegenüber den Bezirkspolitikern werden darin aber völlig falsche Angaben gemacht, heißt es im Antrag doch, es sollten Gebäude aus den 1950er Jahren mit Satteldach verändert werden. Tatsächlich handelt es sich bei den zu verändernden Bauten um 1940/41 errichtete mehrgeschossige Wohnhäuser mit Natursteinsockel und heimatschutztypischem Walmdach. Die für jene Zeit, als auch der Bausektor schon nahezu vollständig auf die Kriegswirtschaft ausgerichtet war, seltenen Häuser weisen fast durchgängig für den Nationalsozialismus typisch gestalteten Wandschmuck im Außenputz auf. Der zeigt unter anderem eine „glückliche deutsche Familie“, die verschiedenen Tierkreiszeichen und Eichenlaub. Die Gebäude korrespondieren in gewisser Weise mit NS-Bauten in der direkten Nachbarschaft (Fleher Straße 102–108, Im Dachlacker 39–49) und verhalten sich relativ harmonisch zu den circa 1905–10 errichteten Häusern auf der gegenüberliegenden Seite der Merkurstraße. Bei der geplanten Veränderung würde vom Charakter der Häuser und der Straße so gut wie nichts erhalten bleiben: die Walmdächer würden mit der ziemlich starken Aufstockung verschwinden, die auflockernden Öffnungen, die jetzt noch durch die niedrigen Garagen gegeben sind, würden massiv zugebaut.

Wir haben unter anderem die Denkmalbehörden auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht. Daraufhin hat die Verwaltung den Antrag wegen der inhaltlichen Fehler zurückgezogen. Trotz unseres Einsatzes gab es später bei einer erneuten Abstimmung in der BV 3 lediglich eine Stimmenthaltung, wodurch die DWG ihr Projekt rein juristisch betrachtet realisieren kann. Inzwischen regt sich jedoch unter DWG-Mitgliedern in der Merkurstraße Widerstand gegen das Umbauvorhaben. Wir bleiben dran!

denkmal düsseldorf

Düsseldorf tritt sein architektonisches Erbe mit Füßen. Dass die Keimzelle der WestLB an der Friedrichstraße jetzt abgerissen wird, spricht Bände. Dass die Stadtspitze von der immerhin denkmalgeschützten Ikone Schauspielhaus aus (finanz-)politischen Gründen redet, als handelte es sich um bloße Verfügungsmasse, ebenso. Wir erinnern uns: Auch der Tausenfüßler stand einst unter Denkmalschutz – jetzt steht er gar nicht mehr. Und dass historische Kostbarkeiten wie die elegant designten grünen Geländer an der Düssel teils gegen gesichtslose graue ausgetauscht wurden, ist nur ein weiteres Kapitel im schändlichen Umgang der Stadt mit dem, was uns an Gebautem umgibt. Vom undurchsichtigen Vorgehen von Verwaltung und Politik in Sachen Gaslaternen ganz zu schweigen.

Wir wollen all dem etwas entgegensetzen. Mit einem Verein namens „denkmal düsseldorf“ wollen wir ein Zeichen setzen gegen den allzu oft unsensiblen Düsseldorfer Umgang mit Bauten, Straßenmobiliar und wesentlichen baulichen Elementen. Der Verein soll Material über unser architektonisches Erbe sammeln. Er soll Anlaufstation sein, wenn Bürgerinnen und Bürger merken, dass Wichtiges in ihrer Umgebung gefährdet ist. Und er soll seinerseits die Öffentlichkeit alarmieren, wenn Wertvolles unter die Räder der Abrissbagger zu geraten droht.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich an dem Verein in Gründung zu beteiligen. Kontakt: info[at]denkmal-duesseldorf.de