Haus mit dem Pferdekopf – alles vorbei!

Die Bezirksvertretung 3 hat soeben der Bauvoranfrage für das Grundstück Brunnenstraße 27/27a, auf dem noch das Haus mit dem Pferdekopf steht, zugestimmt. Nur Die Linke war dagegen, die Grünen haben sich enthalten. Damit ist prinzipiell der Weg frei für einen Abriss des historisch wertvollen Bilker Gebäudes und für die Errichtung einer Mietskaserne mit Kleinstwohnungen. Für den Denkmalschutz ist das eine Niederlage mit hohem Symbolwert. Willkommem im Düsseldorf des Jahres 2017!

Pferdekopf und Alu-Haut: Zwei Gebäude in Not

Der Tag des offenen Denkmals ist vorbei – der Alltag hat uns wieder. Und der ist kein genußvoller Spaziergang durch geschütztes Architekturerbe, sondern ein harter Kampf um den Erhalt historischer Gebäude. Zwei Bauten sind in unseren Fokus gerückt, die sich in unterschiedlich großer Not befinden:

  • Für das circa 1890 erbaute Haus Brunnenstraße 27/27a in Bilk ist bei der zuständigen Bezirksvertretung eine Bauvoranfrage eingegangen. Der Eigentümer strebt einen Abriss an. Das gründerzeitliche Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, es handelt sich aber um ein außergewöhnliches architektonisches Zeugnis gerade der Bilker Geschichte. Schon vor über hundert Jahren war hier unter anderem der Fuhrunternehmer Anton Schmalscheidt ansässig. Eine prägnante Pferdekopfskulptur über der Durchfahrt zum Hof erinnert daran. An der Fassade sieht man außerdem noch eine Reminiszenz an die vormals sehr wichtige Rolle der Papierindustrie in Bilk: „Papierverarbeitung“ steht dort. Die BV 3 soll am 19. September über die Bauvoranfrage abstimmen. Wir sind entschieden für den Erhalt des Hauses mit dem Pferdekopf und haben bei der Stadt die Feststellung des Denkmalwerts beantragt.
  • Die frühere Commerzbank von Paul Schneider-Esleben mit ihrer schicken Alu-Haut in der Kasernenstraße 39 wird gerade im Erdgeschoss verschandelt. Der Investor Hines lässt dieses Geschoss an dem eigentlich denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude aus den Jahren 1963–66 zu einer Art „Aquarium“ ausbauen: Vor den verglasten Drive-in-Bankschalter mit Pförtnerloge, an den man früher mit dem Auto heranfahren konnte, wird noch mal Glas gesetzt – offenbar um das Erdgeschoss visuell an den geplanten Neubau neben der ehemaligen Commerzbank anzupassen. Damit ändert sich die Gestalt des Gebäudes in diesem Bereich aus unserer Sicht entscheidend. Unsere Anfrage an die Düsseldorfer Denkmalbehörde zu Schneider-Eslebens Architekturikone ist leider unbeantwortet geblieben. Wir meinen: Das Aquarium geht gar nicht.

Bilk: Seltene NS-Architektur in Gefahr

In Düsseldorf-Bilk drohen höchst seltene Wohnbauten aus der Zeit des Nationalsozialismus unter die Räder zu geraten. Die Verwaltung hat der zuständigen Bezirksvertretung (BV) 3 zur Genehmigung radikale Aufstockungs- und Umbaupläne für einen Wohnkomplex der Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft an der Merkurstraße (Nr. 43–61) zukommen lassen (Beschlussvorlage 173/ 3/2017). Gegenüber den Bezirkspolitikern werden darin aber völlig falsche Angaben gemacht, heißt es im Antrag doch, es sollten Gebäude aus den 1950er Jahren mit Satteldach verändert werden. Tatsächlich handelt es sich bei den zu verändernden Bauten um 1940/41 errichtete mehrgeschossige Wohnhäuser mit Natursteinsockel und heimatschutztypischem Walmdach. Die für jene Zeit, als auch der Bausektor schon nahezu vollständig auf die Kriegswirtschaft ausgerichtet war, seltenen Häuser weisen fast durchgängig für den Nationalsozialismus typisch gestalteten Wandschmuck im Außenputz auf. Der zeigt unter anderem eine „glückliche deutsche Familie“, die verschiedenen Tierkreiszeichen und Eichenlaub. Die Gebäude korrespondieren in gewisser Weise mit NS-Bauten in der direkten Nachbarschaft (Fleher Straße 102–108, Im Dachlacker 39–49) und verhalten sich relativ harmonisch zu den circa 1905–10 errichteten Häusern auf der gegenüberliegenden Seite der Merkurstraße. Bei der geplanten Veränderung würde vom Charakter der Häuser und der Straße so gut wie nichts erhalten bleiben: die Walmdächer würden mit der ziemlich starken Aufstockung verschwinden, die auflockernden Öffnungen, die jetzt noch durch die niedrigen Garagen gegeben sind, würden massiv zugebaut.

Wir haben unter anderem die Denkmalbehörden auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht. Daraufhin hat die Verwaltung den Antrag wegen der inhaltlichen Fehler zurückgezogen. Trotz unseres Einsatzes gab es später bei einer erneuten Abstimmung in der BV 3 lediglich eine Stimmenthaltung, wodurch die DWG ihr Projekt rein juristisch betrachtet realisieren kann. Inzwischen regt sich jedoch unter DWG-Mitgliedern in der Merkurstraße Widerstand gegen das Umbauvorhaben. Wir bleiben dran!