Opernhaus: Die Stadt muss investieren!

Düsseldorfs Opernhaus steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Trotzdem glauben im Moment zahlreiche Akteure, den Abriss des Gebäudes diskutieren zu müssen. Weshalb? Es müsste doch tatsächlich Geld ins historische Haus gesteckt werden!

So kann Denkmalschutz bzw. Denkmalpflege aber nicht funktionieren: Einem für die Stadt wichtigen Denkmal werden über Jahre notwendige Investitionen vorenthalten, und plötzlich kann das Gebäude angeblich gleich ganz weg. Wir als denkmal düsseldorf e. V. sagen: Düsseldorf muss jetzt seiner Verantwortung für das Kulturdenkmal Opernhaus gerecht werden und in eine gründliche Sanierung investieren.

Historische Bausubstanz im Fokus

Wir möchten auf zwei Veranstaltungen rund ums Thema Denkmalschutz hinweisen:

  • Am 8. Mai 2018 findet ab 18 Uhr in Sitzungssaal des Rathauses (1. OG) ein öffentliches Fachgespräch der Grünen zur „Baukultur“ statt.  Dabei soll es um Fragen gehen wie: Was ist erhaltenswert? Welche Strukturen müssen erhalten bleiben? Was verlieren wir und was gewinnen wir beim (Neu-)Bauen? Was passiert am Rande des Denkmalschutzes, wenn der Denkmalschutz nicht greift? Welche Instrumente gibt es überhaupt, um Strukturen und Gebäude zu schützen? Es diskutieren unter anderem Cornelia Zuschke, die Beigeordnete für Planen, Bauen, Mobilität und Grundstückswesen der Landeshauptstadt Düsseldorf, Georg Döring, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten Düsseldorf, und Andrea Pufke, Leiterin des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland. Auch denkmal düsseldorf ist vor Ort.
  • Schon am 7. Mai wird um 18 Uhr die Ausstellung „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ im Haus der Architekten (Zollhof 1) eröffnet. Zur Ergänzung des eigenen Denkmalprogramms hat die Wüstenrot Stiftung ihren Gestaltungspreis 2017 dem „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ gewidmet. Zu diesem Wettbewerb wurden Architekten und Bauherren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen, um aus dem grenzüberschreitenden Vergleich zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen. Die Ergebnisse des Verfahrens zeigt bis zum 1. Juni 2018 die Düsseldorfer Ausstellung.

Pferdekopf und Alu-Haut: Zwei Gebäude in Not

Der Tag des offenen Denkmals ist vorbei – der Alltag hat uns wieder. Und der ist kein genußvoller Spaziergang durch geschütztes Architekturerbe, sondern ein harter Kampf um den Erhalt historischer Gebäude. Zwei Bauten sind in unseren Fokus gerückt, die sich in unterschiedlich großer Not befinden:

  • Für das circa 1890 erbaute Haus Brunnenstraße 27/27a in Bilk ist bei der zuständigen Bezirksvertretung eine Bauvoranfrage eingegangen. Der Eigentümer strebt einen Abriss an. Das gründerzeitliche Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, es handelt sich aber um ein außergewöhnliches architektonisches Zeugnis gerade der Bilker Geschichte. Schon vor über hundert Jahren war hier unter anderem der Fuhrunternehmer Anton Schmalscheidt ansässig. Eine prägnante Pferdekopfskulptur über der Durchfahrt zum Hof erinnert daran. An der Fassade sieht man außerdem noch eine Reminiszenz an die vormals sehr wichtige Rolle der Papierindustrie in Bilk: „Papierverarbeitung“ steht dort. Die BV 3 soll am 19. September über die Bauvoranfrage abstimmen. Wir sind entschieden für den Erhalt des Hauses mit dem Pferdekopf und haben bei der Stadt die Feststellung des Denkmalwerts beantragt.
  • Die frühere Commerzbank von Paul Schneider-Esleben mit ihrer schicken Alu-Haut in der Kasernenstraße 39 wird gerade im Erdgeschoss verschandelt. Der Investor Hines lässt dieses Geschoss an dem eigentlich denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude aus den Jahren 1963–66 zu einer Art „Aquarium“ ausbauen: Vor den verglasten Drive-in-Bankschalter mit Pförtnerloge, an den man früher mit dem Auto heranfahren konnte, wird noch mal Glas gesetzt – offenbar um das Erdgeschoss visuell an den geplanten Neubau neben der ehemaligen Commerzbank anzupassen. Damit ändert sich die Gestalt des Gebäudes in diesem Bereich aus unserer Sicht entscheidend. Unsere Anfrage an die Düsseldorfer Denkmalbehörde zu Schneider-Eslebens Architekturikone ist leider unbeantwortet geblieben. Wir meinen: Das Aquarium geht gar nicht.

denkmal düsseldorf

Düsseldorf tritt sein architektonisches Erbe mit Füßen. Dass die Keimzelle der WestLB an der Friedrichstraße jetzt abgerissen wird, spricht Bände. Dass die Stadtspitze von der immerhin denkmalgeschützten Ikone Schauspielhaus aus (finanz-)politischen Gründen redet, als handelte es sich um bloße Verfügungsmasse, ebenso. Wir erinnern uns: Auch der Tausenfüßler stand einst unter Denkmalschutz – jetzt steht er gar nicht mehr. Und dass historische Kostbarkeiten wie die elegant designten grünen Geländer an der Düssel teils gegen gesichtslose graue ausgetauscht wurden, ist nur ein weiteres Kapitel im schändlichen Umgang der Stadt mit dem, was uns an Gebautem umgibt. Vom undurchsichtigen Vorgehen von Verwaltung und Politik in Sachen Gaslaternen ganz zu schweigen.

Wir wollen all dem etwas entgegensetzen. Mit einem Verein namens „denkmal düsseldorf“ wollen wir ein Zeichen setzen gegen den allzu oft unsensiblen Düsseldorfer Umgang mit Bauten, Straßenmobiliar und wesentlichen baulichen Elementen. Der Verein soll Material über unser architektonisches Erbe sammeln. Er soll Anlaufstation sein, wenn Bürgerinnen und Bürger merken, dass Wichtiges in ihrer Umgebung gefährdet ist. Und er soll seinerseits die Öffentlichkeit alarmieren, wenn Wertvolles unter die Räder der Abrissbagger zu geraten droht.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich an dem Verein in Gründung zu beteiligen. Kontakt: info[at]denkmal-duesseldorf.de