Historische Bausubstanz im Fokus

Wir möchten auf zwei Veranstaltungen rund ums Thema Denkmalschutz hinweisen:

  • Am 8. Mai 2018 findet ab 18 Uhr in Sitzungssaal des Rathauses (1. OG) ein öffentliches Fachgespräch der Grünen zur „Baukultur“ statt.  Dabei soll es um Fragen gehen wie: Was ist erhaltenswert? Welche Strukturen müssen erhalten bleiben? Was verlieren wir und was gewinnen wir beim (Neu-)Bauen? Was passiert am Rande des Denkmalschutzes, wenn der Denkmalschutz nicht greift? Welche Instrumente gibt es überhaupt, um Strukturen und Gebäude zu schützen? Es diskutieren unter anderem Cornelia Zuschke, die Beigeordnete für Planen, Bauen, Mobilität und Grundstückswesen der Landeshauptstadt Düsseldorf, Georg Döring, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten Düsseldorf, und Andrea Pufke, Leiterin des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland. Auch denkmal düsseldorf ist vor Ort.
  • Schon am 7. Mai wird um 18 Uhr die Ausstellung „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ im Haus der Architekten (Zollhof 1) eröffnet. Zur Ergänzung des eigenen Denkmalprogramms hat die Wüstenrot Stiftung ihren Gestaltungspreis 2017 dem „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ gewidmet. Zu diesem Wettbewerb wurden Architekten und Bauherren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen, um aus dem grenzüberschreitenden Vergleich zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen. Die Ergebnisse des Verfahrens zeigt bis zum 1. Juni 2018 die Düsseldorfer Ausstellung.

Skandalöse Abrissliste

Der Verein denkmal düsseldorf möchte auf eine Abrissliste aufmerksam machen, die vor Kurzem in einer Vorbesprechung des Düsseldorfer Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung (APS) behandelt worden ist. Für den Abriss sind danach unter anderem vorgesehen:

  • Eine frühe Tankstelle aus dem Jahr 1930. Das für Düsseldorf sehr seltene Zeugnis des Neuen Bauens steht in Lohausen an der Niederrheinstraße 138. Stahl und große Fensterflächen sind bei diesem Bau mit seinen flachen Dächern großartig kombiniert. [Update: Im Juli 2018 abgerissen.]
  • Seit teilweise über 100 Jahren hervorragend in ihr Umfeld integrierte Häuser in der Heggemannstraße 35 (Holthausen; 1910 erbaut), in der Straße Steinkaul 13 (Himmelgeist; 1932) und in der Niederkasseler Straße 7 (Niederkassel; 1925). Im Fall der Heggemannstraße würde durch den Abriss ein ganzer gut durch den Krieg gekommener Straßenzug mit unter anderem vielen Jugendstilelementen in Mitleidenschaft gezogen.
  • Ein Haus aus der frühen Nazi-Zeit auf der Tannhäuser Straße 9 in Oberkassel. Das 1935 errichtete Gebäude erinnert teils noch leicht an die Periode des Backsteinexpressionismus, zeigt aber zum Beispiel im Bereich des Erkers deutlich, dass es im „Dritten Reich“ angekommen ist. Auch dieses Haus würde aus einem gewachsenen Zusammenhang herausgerissen.

Die Abbruchpläne sind aus Sicht von denkmal düsseldorf skandalös. Der Verein hat die Denkmalbehörden jetzt auf die gefährdeten Gebäude hingewiesen. Skandalös ist auch, dass Listen wie die jetzt im APS besprochene nicht veröffentlicht werden. Die Bürger werden dadurch erst in einem späten Stadium auf gefährdete Bauten in ihrer Umgebung aufmerksam. Wir fordern: Die Stadt soll die Abbruchlisten vor den APS-Vorbesprechungen im Internet veröffentlichen.

Die Stadt denkt aber offenbar gar nicht daran: Nach kritischen, von denkmal düsseldorf angestoßenen Presseveröffentlichungen zu den geheimen Listen dürfen die Politiker diese Listen nun nicht mal mehr aus den Sitzungen mitnehmen. Baudezernentin Zuschke handelt in dieser Sache so ganz eindeutig gegen das öffentliche Interesse.

Tag des offenen Denkmals: Unbedingt hingehen!

Am kommenden Sonntag (10. September) findet zum 25. Mal der bundesweite Tag des offenen Denkmals statt. Motto in diesem Jahr: „Macht und Pracht“. Das Motto soll sich auf Denkmäler beziehen, die weltliche und religiöse Machtverhältnisse abbilden. Es öffnen auch Denkmäler ihre Türen, an denen sich Machtmissbrauch erklären lässt, und solche, die heute noch an die Armut und Ohnmacht ihrer Zeit und ihrer früheren Bewohner erinnern.

In Düsseldorf kann man zum Tag des offenen Denkmals so unterschiedliche Denkmäler wie den Ringofen Sassen in Ludenberg, das Justizministerium am Martin-Luther-Platz oder die Künstlersiedlung Golzheim besuchen. Das komplette Düsseldorfer Programm ist hier abrufbar. Alle Interessierten sollten die Gelegenheit unbedingt nutzen und durch ihre Teilnahme auch ein Zeichen für die Relevanz historischer Gebäude setzen.

denkmal düsseldorf

Düsseldorf tritt sein architektonisches Erbe mit Füßen. Dass die Keimzelle der WestLB an der Friedrichstraße jetzt abgerissen wird, spricht Bände. Dass die Stadtspitze von der immerhin denkmalgeschützten Ikone Schauspielhaus aus (finanz-)politischen Gründen redet, als handelte es sich um bloße Verfügungsmasse, ebenso. Wir erinnern uns: Auch der Tausenfüßler stand einst unter Denkmalschutz – jetzt steht er gar nicht mehr. Und dass historische Kostbarkeiten wie die elegant designten grünen Geländer an der Düssel teils gegen gesichtslose graue ausgetauscht wurden, ist nur ein weiteres Kapitel im schändlichen Umgang der Stadt mit dem, was uns an Gebautem umgibt. Vom undurchsichtigen Vorgehen von Verwaltung und Politik in Sachen Gaslaternen ganz zu schweigen.

Wir wollen all dem etwas entgegensetzen. Mit einem Verein namens „denkmal düsseldorf“ wollen wir ein Zeichen setzen gegen den allzu oft unsensiblen Düsseldorfer Umgang mit Bauten, Straßenmobiliar und wesentlichen baulichen Elementen. Der Verein soll Material über unser architektonisches Erbe sammeln. Er soll Anlaufstation sein, wenn Bürgerinnen und Bürger merken, dass Wichtiges in ihrer Umgebung gefährdet ist. Und er soll seinerseits die Öffentlichkeit alarmieren, wenn Wertvolles unter die Räder der Abrissbagger zu geraten droht.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich an dem Verein in Gründung zu beteiligen. Kontakt: info[at]denkmal-duesseldorf.de