Haus mit dem Pferdekopf – alles vorbei!

Die Bezirksvertretung 3 hat soeben der Bauvoranfrage für das Grundstück Brunnenstraße 27/27a, auf dem noch das Haus mit dem Pferdekopf steht, zugestimmt. Nur Die Linke war dagegen, die Grünen haben sich enthalten. Damit ist prinzipiell der Weg frei für einen Abriss des historisch wertvollen Bilker Gebäudes und für die Errichtung einer Mietskaserne mit Kleinstwohnungen. Für den Denkmalschutz ist das eine Niederlage mit hohem Symbolwert. Willkommem im Düsseldorf des Jahres 2017!

Haus mit dem Pferdekopf – alles vorbei?

Am vergangenen Freitag hat vor dem vom Abbruch bedrohten Haus Brunnenstraße 27/27a („Haus mit dem Pferdekopf“) eine Demo stattgefunden. Einer der Organisatoren: unser zweiter Vorsitzender, Thorsten Graeßner. Ein Engagement, für das man den Veranstaltern nur danken kann. Die Stoßrichtung aber ist nicht unproblematisch:

  • Botschaft der Demo war: Erhaltet alte Fassaden. Es kann aber grundsätzlich nicht darum gehen, nur alte Fassaden zu erhalten und die übrige historische Substanz zu opfern. Das würde dem Denkmalwert eines Gebäudes nicht gerecht werden.
  • Klar, die Bilker Politik möchte Wohnraum schaffen. An der Brunnenstraße soll aber relativ teurer Wohnraum in sehr kleinen Einheiten entstehen. Wenn das hinter einer alten Fassade geschähe, würde es die Sache nicht honoriger machen.

Bemerkenswert ist, dass sich weder aus der Politik noch aus Kreisen der betroffenen Mieter viele Menschen bei der Demo haben blicken lassen. Die Mieter scheinen Angst zu haben – aber wovor? Wenn abgerissen wird, müssen sie sowieso raus. Und die Politiker überlassen der Verwaltung die Verantwortung fürs Architekturerbe. Doch gerade sie riskieren eigentlich am wenigsten.

Diese Bezirkspolitiker haben in der Sitzung der BV 3 am kommenden Dienstag noch einmal die Chance, gegenüber der Stadt Rückgrat zu zeigen und gegen die Bauvoranfrage zu stimmen, die dem Gebäude den Garaus machen würde. Wenn die Düsseldorfer Denkmalbehörde das Haus mit dem Pferdekopf für nicht denkmalwürdig hält, können die BV-Mitglieder dagegen argumentieren und die Behörde dazu auffordern, harte Fakten, die gegen einen Schutz des Gebäudes sprechen, auf den Tisch zu legen. Denn daran gebricht es im Düsseldorfer Denkmalschutz: an Fakten und an Öffentlichkeit.

Hier für die Politik noch mal die Argumente für den Erhalt:

Bei dem 1888/89 gebauten Haus mit dem Pferdekopf handelt es sich um ein außergewöhnliches architektonisches Zeugnis gerade der Bilker Geschichte. Schon vor über hundert Jahren war in dem Gebäude unter anderem der Fuhrunternehmer Anton Schmalscheidt ansässig. Eine prägnante Pferdekopfskulptur über der Durchfahrt zum Hof erinnert daran. An der Fassade sieht man außerdem noch eine Reminiszenz an die vormals sehr wichtige Rolle der Papierindustrie in Bilk: „Papierverarbeitung“ steht dort. Im Innern des Hinterhauses hat einer der Mieter einen Teil des Krans, der zum alten Papierlager gehört, freigelegt und konserviert. Und schließlich: Durch die Nähe zur letzten aktiven Bilker Papierfabrik sowie zum Bilker Bahnhof und zu den wenigen anderen um 1900 entstandenen Gebäuden der Brunnenstraße ist noch heute der historische städtebauliche Kontext erkennbar.

Und der Aufruf an alle Interessierten:

Kommt am Dienstag (5.12.2017) ab 17 Uhr in den Bürgersaal des Stadtteilzentrums Bilk über dem Schwimmbad, Bachstraße 145. Wichtig ist in diesem Fall Tagesordnungspunkt 6.